Zur Ausgangslage:

1. das deutsche Team ist als Titelverteidiger angereist.
2. Auf leichtathletik.de wurde vollmundig angekündigt „DLV schickt starke Mannschaft zur Team-EM“…
3. auch deswegen buchten fast 50 Mitglieder der „FREUNDE der Leichtathletik“ eine Reise zur Team-EM in Bydgoszcz (zum Teil wohl auch, weil die Wettkämpfe nur eine Woche nach der DM in Berlin stattfanden, und etliche Freunde-Mitglieder die Chance genutzt haben mit Zwischenstopp Warschau oder auch direkt von Berlin aus nach Bydgoszcz anzureisen).
 

Am Ende mit Höhen und Tiefen – Die Analyse

Nach drei wechselhaften Tagen mit viel Höhen und viel Tiefen beendete das deutsche Team am Sonntagabend die Team-EM nach einem starken Endspurt noch auf dem zweiten Platz.
 
 
Ein Erfolg – denn die Erwartungen gingen ohnehin nicht von einer erfolgreichen Titelverteidigung aus, sondern es wurde erwartet, dass das polnische Team, das bereits in Berlin während der Europameisterschaften groß aufgetrumpft hatte, seinen Heimvorteil nutzen und den Sieg erringen würde.
Allerdings erwischte das deutsche Team einen mega-schlechten Start und lag am Samstagabend abgeschlagen auf einem fünften Platz, noch hinter Frankreich, Großbritannien und sogar Italien. Dies war – angesichts der Ankündigung eines angeblich starken Teams – nicht zu erwarten.
Zudem führte das deutsche Team mit zwei Siegen am ersten Tag (Freitag) bereits deutlich mit 24 Punkten und erweckte zusätzlich hohe Erwartungen.
 
Das zunächst (am Samstag) recht schwache Abschneiden war wohl  grundsätzlich auf drei Faktoren zurückzuführen:
  1. In etlichen Disziplinen war das Team – entgegen der vollmundigen Vorankündigung – recht schwach besetzt (Speerwurf Frauen, 100m Frauen, Weitsprung Männer) oder hat international ohnehin zurzeit den Anschluss verloren  (Hammerwurf Männer und Frauen, 400m Männer und Frauen)
  2. Die verbliebenen, traditionellen Leistungsträger des Teams brachten am Samstag nicht ihre gewohnte Leistung (Hochsprung Männer, Stabhochsprung Frauen, 400m Hürden Frauen)
  3. Kam auch noch ein wenig Verletzungspech hinzu: bereits im Vorfeld mussten David Storl und Max Heß verletzungsbedingt absagen, und auch vor Ort erwischte es noch Kristin Gierisch, Lisa-Marie Kwayie und Laura Müller.

 

Starkes Team nach Bydgoszcz geschickt?

Trotzdem: wer derart vollmundig ankündigt, mit einem starken Team zur Team-EM nach Bydgoszcz zu reisen und dann im Land der Welt- und Europameisterinnen im Speerwerfen (mit der amtierenden Europameisterin im Speerwerfen Christin Hussong) gerade mal eine 18-jährige Speerwerferin mit einer Bestleistungen von 55m nominiert, muss sich ein wenig Kritik durchaus gefallen lassen.
 
 
Umso überraschender und erfreulich dann die starke Aufholjagd des engagierten und kämpferischen deutschen Teams am Sonntag, die mit einem kaum noch für möglich gehaltenen zweiten Platz bei der Team-EM endete.
 
 
Zwar gab es hier und da auch an den ersten beiden Tagen schon einige schöne Einzelleistungen (Julian Weber, Gesa Felicitas Krause und Luke Campbell mit WM Norm über 400m Hürden), lobenswert auch die kämpferischen Leistungen von Hering, Krebs und Michael Pohl.
 
Am Sonntag aber wuchsen einige Athleten über sich hinaus und zeigten einige nicht erwartete Leistungen. So war zwar der dritte Platz von Gregor Traber und der zweite Platz von Cindy Roleder über die Hürden in etwa erwartet worden, Caterina Granz als Zweite über 1.500m, Martin Wierig als Zweiter im Diskuswerfen und besonders Hanna Klein sogar als Siegerin im 5.000m Lauf sorgten für faustdicke und erfreuliche Überraschungen. Hinzu kam, dass am Sonntag auch die Leistungsträger Christina Schwanitz und Malaika Mihambo die in Sie gesetzten Erwartungen erfüllten und als Sieger vom Platz gingen. So wurde das deutsche Team nach einer emotional bewegenden Aufholjagd doch noch Zweiter – ein Platz, der im allerletzten Wettkampf, nämlich der 4 x 400m Staffel der Männer, noch mal dramatisch in Gefahr geriet ( Rempelei, Verletzung und drohende Disqualifikation).
 

Wo waren die besten Deutschen Athleten?

Mit einer etwas vernünftigeren Nominierung (Christin Hussong, Konstanze Klosterhalfen) wäre vielleicht sogar die Titelverteidigung möglich gewesen.
Ist dem DLV eine Team-EM nicht mehr wichtig genug? Trotz Antritts als Titelverteidiger? Oder wurde hier bei der Nominierung im Hinblick auf die Saisonplanung einiger Athleten hinsichtlich der WM in Doha zu viel Rücksicht genommen?
 
 
Dann hätte das aber auch fair kommuniziert werden müssen und nicht von der Nominierung einer starken Mannschaft gesprochen werden dürfen.
So waren doch einige mitgereiste Fans (die hierfür auch Einiges an Kosten investiert haben) zumindest an den ersten Tagen recht enttäuscht über das mässige Abschneiden des deutschen Teams.
 
 
Viele alte Hasen können sich halt noch an die Zeiten erinnern, als Harald Schmid sich für die Mannschaft aufopferte und innerhalb von nur 55 Minuten 400m Hürden und 400m lief und gewann, und die besten aller Athleten für die Team-EM nominiert wurden und auch kamen.
So wurde es zuletzt ein hart erkämpfter zweiter Platz hinter einer polnischen Mannschaft, die verdient Europameister wurde und im Stadion für viel Stimmung gesorgt hat.
 
 
 
 
 
 
Text: Wilfried Walter

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