Russland und kein Ende

Michael Gernandt

Ehemaliger Sportchef der SZ

Der 22. Januar dieses neuen Jahres ist ein besonders merkwürdiger Tag in der an Ungereimtheiten, Inkonsequenzen und Widersprüchen reichen Chronik der russischen Dopingaffäre. Erst ignoriert die Weltantidopingagentur Wada, dass die Russen gegen Auflagen verstießen, die bei Nichteinhaltung zur Fortsetzung der im September 2018 aufgehobenen vierjährigen Suspendierung der Moskauer Antidopingagentur Rusada hätten führen müssen- und bestraft nicht nochmal. Dann veröffentlicht zeitgleich der Weltverband der Leichtathleten, die IAAF, eine Liste von 42 russischen Athleten und Athletinnen. Nur sie erfüllen, unter dem Gesichtspunkt der Übereinstimmung mit den Antidopingregeln, die IAAF-Kriterien für ein „außergewöhnliches Startrecht“ als neutrale Starter, sog. Authorised Neutral Athlet (ANA). Alle anderen will der Weltverband bei internationalen Veranstaltungen nicht sehen. Die IAAF gibt damit zu erkennen, dass sie die heftig umstrittene September-Entscheidung der Wada und deren Neuauflage weiterhin nicht hindert, den seit 2015 geltenden Ausschluss des russischen Leichtathletikverbands bis auf weiteres aufrechtzuhalten. Sie tut es, weil sie im eigenen Haus Herr des Verfahrens ist, keine andere Organisation redet ihr rein.

Die Causa Rusada

In der Causa Rusada ist das anders, und das ist der Knackpunkt des Wada-Beschlusses vom 22. Januar. Die internationale Dopingagentur hängt am Tropf des sie alimentierenden und den Russen stets wohlgeneigten Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Und Wada-Chef Reedie: ein IOCler. Nicht dass der Olymp der Agentur öffentlich vorschreibt, wie sie zu verfahren hat. Da geht das vom Deutschen Bach dirigierte IOC viel subtiler vor: In einer Neujahrsbotschaft merkt Bach kurz an, die Russen hätten mit der Aussperrung bei den Winterspielen 2018 ihre Strafe abgesessen und nun genug gebüßt. Damit war eine Drohung des Wada-Generalsekretärs Niggli nur noch Makulatur. Der Schweizer hatte im Anschluss an den Freispruch vom vergangenen Herbst erklärt, Russlands Doping-Zentrale müsse erneut schließen, sollte es der Wada nicht möglich sein, bis zum Silvestertag aus dem von russischen Strafverfolgern versiegelten Moskauer Labor eine forensische Kopie zu übertragen:  von 63.000 dort seit 2012 lagernden Proben, darunter zirka 9000 auffällige. Die Wada wittert noch mehr Vertuschungen als gemeinhin bereits bekannt.

Die Rolle von WADA und IOC

Russland lässt mit dem Hinweis auf nicht mit seinen Gesetzen übereinstimmende Wada-Kopiertechnik die Deadline verstreichen. Weltweite Proteste sind die Folge. Nur, sie irritieren die Wada nicht, weil sie mit zwei Wochen Verspätung doch noch ans Ziel kommt.

Es irritiert Wada und IOC auch nicht, dass das öffentliche Unbehagen über den wachsweichen Umgang mit den staatlich orchestrierten Russendopern nach Silvester neu entfacht ist. Im Gegenteil, sie reiben sich die Hände. Weil sie für den Verzicht auf die im Grunde fällige und Ruhe im nervigen Dopingfall verheißende Bestrafung etwas an die Hand bekommen haben, das sie im Erfolgsfall endlich ins Rampenlicht effektiver Aufklärung rückt. Was aber, wenn manipuliertes Material aus Moskau herausgeschafft wurde? Die Rusada eine zweite Deadline (30. Juni) nicht einhält, bis zu der sie Nachtests möglich machen muss? Oder das IOC ein Interesse an einem fetten Fischzug der Aufklärer nur vortäuscht und bremsend einwirkt auf die Investigativen der Wada, um das (sowieso brüchige) Einzeltäter-Argument nicht zum Einsturz zu bringen und den Marktwert seines Top-Produkts, der Olympischen Spiele, nicht weiter zu beschädigen?

ANA bei der WM 2019?

Was also wird passieren? Nichts, zumindest nichts, was einen Bann der Russen bei den Sommerspielen 2020 in Tokio zur Folge hat. Schließlich hat Bach schon vor dem 22. Januar den Start der Putin-Athleten in Fernost signalisiert – selbst wenn die Wada ihren Ableger Rusada neuerdings suspendiert hätte. 2019 allerdings wird sich der Sport mit dem Fall Russland noch herumschlagen müssen. Unter Umständen auch noch die Leichtathletik-WM Ende September in Doha.

 

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Hier schreibt Michael Gernandt, FREUNDE-Mitglied und langjährige Sportchef der Süddeutschen Zeitung, regelmäßig seine Kolumne. Als einer der angesehensten Leichtathletik-Journalisten in Deutschland und ehemaliger Sprinter ist Michael Gernandt als echter Insider zu bezeichnen. In seiner Kolumne nimmt er kein Blatt vor den Mund.