Die IAAF bleibt hart

Michael Gernandt

Ehemaliger Sportchef der SZ

Russen auch in Doha nur „neutral“

Das Dutzend ist voll, aber billiger wird es deshalb für die Betroffenen auf keinen Fall. Im Gegenteil. Dass das Council des Leichtathletik-Weltverbands (IAAF) sich fünf Tage vor dem ersten Startschuss bei der WM in Doha (Qatar) genötigt sah, die seit vier Jahren existierende Suspendierung des russischen Verbands (Rusaf) als Folge staatlich gelenkter Dopingmanipulationen zum zwölften Mal zu verlängern, wird der Leichtathletik im Lande Putins weiteren Kredit kosten. Und der könnte bald vollends aufgebraucht sein, wenn sich ein ganz frischer Verdacht der Weltantidoping-Agentur (WADA) bestätigt, dass die Russen offenbar weiter betrügen. Dann droht nicht nur der Leichtathletik, sondern dem ganzen Russensport der Ausschluss von den Olympischen Spielen 2020 etc. Das wäre ein Tiefschlag für Putin und den Kreml.

WADA vermutet Daten-Manipulation

Der Verdacht. Bei der Analyse der von Moskau zähneknirschend überlassenen Datenbank seines Dopinglabors mit den Tests russischer Sportler aus der anrüchigen Zeit zwischen 2012 und 2015 vermisste das WADA-Komitee zur Überwachung des Antidoping-Codes eine Anzahl positiver Proben. Sie waren noch Bestandteil eines Datensatzes, der bereits 2017 der WADA von einem Whistleblower zugespielt worden war. Da haben die Russen offenbar die investigative Kompetenz der WADA unterschätzt. Nun müssen sie sich innerhalb von drei Wochen erklären.

Die Herausgabe der offiziellen Datenbank war für die WADA eine Schlüsselbedingung, sollte sie die Wiederzulassung der russischen Antidopingagentur (Rusada) befürworten. Die internationale Organisation rehabilitierte die Rusada indessen vorschnell — bevor Moskau lieferte. Der Vorgang, in den mutmaßlich erneut staatliche Behörden involviert sind, belegte zum wiederholten Mal den großzügigen Umgang der WADA mit den aus der Reihe tanzenden Russen. Auch das Internationale Olympische Komitees (IOC) hatte den russischen Regelbrechern schon nach den Winterspielen 2018 vergeben. Höchst peinlich für das IOC, wenn sich die Causa jetzt wieder zuspitzt.

Ohne Flagge – Ohne Hymne

Als Hauptbetroffene des Moskauer Dopingbetrugs durchforstet auch die IAAF seit Juni auf eigene Faust die Datenbank. Aus anderen Sportarten soll es laut WADA fast 300 anrüchige Fälle geben. Weil die aufwändige Analyse bis zur Councilsitzung in Doha noch nicht abgeschlossen werden konnte, dies aber für die IAAF Voraussetzung für die Aufhebung des Banns ist, treten in der qatarischen Wüste wieder nur sog. ANA-Russen (Autorisierte Neutrale Athleten) an. 30 an der Zahl, elf mehr als 2017 in London. Ohne Flagge, ohne Hymne, ohne Nationaltrikot. Darüber hinaus sprachen gegen ein Rusaf-Comeback neue Verletzungen des Antidopingreglements: gesperrte Trainer verharren im Amt, Funktionäre fälschen Krankenprotokolle, um die Sperre eines Hochspringers zu verhindern.

Das verdeutlicht, wie schwer sich der russische Sport immer noch tut, eine erkennbare Antidopingkultur zu etablieren. So lange alte Funktionärskader und Kreml-Ideologen weiter mitmischen, werden Reformer wie der neue, liberale Rusada-Chef Juri Ganus („Wir sind nicht ehrlich zu uns selbst, die mögliche Konsequenz wird mehr als ernst sein“) und ob der Verhältnisse frustrierte Sportler*innen wie die Hochsprung-Weltmeisterin Maria Lassitskene („Ich hoffe, dass die Leute, die in diese endlose Schande verwickelt sind, den Mut haben, zu gehen“) kaum Gehör finden.

Die übliche Augenwischerei

Stattdessen darf die abgetretene Stabhochsprung-Weltrekordlerin und heutige linientreue Funktionärin Jelena Isinbajewa versichern, „Alles, was zu tun war, ist von unserer Seite getan worden“. Die übliche Augenwischerei halt. Und sie darf einen der größten Dopingskandale im Weltsport als „Sage“ abtun, „die wir hoffentlich bald für immer vergessen können“.

Da muss selbst der russische Bär lachen. Das Naschen vom verführerischen Honig ist schließlich in seinen Genen angelegt.

Mehr Informationen zur WM sind unter diesem Link zu finden.

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Hier schreibt Michael Gernandt, FREUNDE-Mitglied und langjährige Sportchef der Süddeutschen Zeitung, regelmäßig seine Kolumne. Als einer der angesehensten Leichtathletik-Journalisten in Deutschland und ehemaliger Sprinter ist Michael Gernandt als echter Insider zu bezeichnen. In seiner Kolumne nimmt er kein Blatt vor den Mund.