Diamond League 2.0: Schaufenster neu dekoriert

Michael Gernandt

Ehemaliger Sportchef der SZ

Ein ganzes Jahrzehnt haben der Weltverband der Leichtathleten (IAAF) und seine Partner, die Organisationschefs der Ein-Tages-Meetings, mit dem Format ihrer internationalen Veranstaltungsserie experimentiert, der Diamond League (DL). Sie sollte lupenrein attraktiv sein, konnte indessen ihr luxuriöses Versprechen nicht halten. Im Wettstreit mit vergleichbaren Einrichtungen anderer Disziplinen um Marktanteile diverser Art fehlte es der DL an Identität, ihre Verantwortlichen hatten versäumt, ihr Produkt den Notwendigkeiten modernen Entertainments anzupassen (ein Problem, mit dem sich die Leichtathletik insgesamt schwer tut).

Das ist nun geschehen, glauben IAAF und Veranstalter, mithilfe eines radikalen Schliffs des Diamanten.

13 Wochen Diamond League

Die wichtigsten, von der Saison 2020 an gültigen Veränderungen (2019 gilt noch das alte Konzept): Nur noch 12 Meetings und ein Finale, bisher 12 plus zwei. Jede Woche einmal Diamond League, 13 wochenlang, bisher war die DL sommers über fünf Monate verteilt. Nur noch 24 statt 32 Disziplinen, je 12 für Männer und Frauen. 3000 Meter als längste Laufdistanz. Verlagerung von dem einen oder anderen Field-Event von den Stadien in die Innenstädte. Verknappung des Zeitrahmens fürs Fernsehen von 120 auf 90 Minuten. Welcher Ort gestrichen wird und welche Disziplinen, will man nach den Erkenntnissen der Saison 2019 und jährlich wieder festlegen.

Bei Lichte besehen fällt auf: Da haben die Edelsteinschleifer der League an einigen Stellen aber ganz schön abgekupfert bei der EM 2018 in Berlin, dem viel gelobten, weil allerlei knackige Kurzweil anbietenden Championat im Olympiastadion. Dass für die Diamond League EM-Elemente übernommen wurden, ist wie ein Ritterschlag für Berlins Cheforganisator Frank Kowalski. Der könnte nun Vollzug melden, war doch sein Auftrag, eine EM auf die Beine zu stellen, die möglichst Nachhaltigkeit garantieren kann für die deutsche und internationale Leichtathletik.

Wenn es denn aufgeht …

Das ist allerdings erst dann der Fall, wenn die nun gefundene Formel für die Branchenbesten unwiderstehlich geworden ist, weil Preisgeld und Prestige der DL steigen soll. Sie nicht mehr nach Gutdünken ihres Umfelds mal das eine oder andere Meeting auslassen können; und das verehrte Publikum endlich einen roten Faden in der Serie erkennt, ein, wie es neudeutsch heißt Narrativ, also eine Geschichte mit verheißungsvollem Anfang und schillerndem Ende. Das setzt ein nachvollziehbares, transparentes, wöchentlich und öffentlich aktualisiertes Bewertungssystem voraus, wie es im Tennis, in der Formel 1 und im Weltcup des Wintersports erfolgreich praktiziert wird. Ein Ansatz für die Leichtathletik: die schon in 2019 angewendete neue IAAF-Weltrangliste. Kurzum: Der Konsument soll sich künftig darauf verlassen können, dass „im Schaufenster der Leichtathletik außerhalb der Championships“ (IAAF-Generalsekretär Jon Ridgeon) ständig das Beste ausgestellt wird.

Bewährungsprobe der Diamond League 2.0 schon 2020

Gleich im ersten Reformjahr sieht sich die League 2.0 freilich einer deftigen Bewährungsprobe ausgesetzt: Die schon am 24. Juli startenden Olympischen Spiele 2020 in Tokio werden den geplanten 13-Wochen-Rhythmus mutmaßlich unterbrechen. Und dass die Weltelite im Vorfeld des Saisonhöhepunkts der DL oberste Priorität einräumt, kann man so recht nicht glauben. Fragezeichen auch hinter anderen Neuerungen.  Was wird aus dem einen Meeting, das geopfert wird, wie reagieren Athleten und Athletinnen der vier plus vier Disziplinen, die dem Rotstift anheimfallen, wie laut klagen die starken Männer und Frauen, wenn eine scheinbar unzeitgemäße Übung wie das Kugelstoßen den Zirkus Maximus unter Umständen ganz verlassen muss, nur noch in zweitklassigen Arenen Einlass findet? Und die von der Bahn verscheuchten Ausdauerläufer oberhalb der 3000 Meter, suchen die ihr Heil künftig nur noch auf der Straße?   

All diese Maßnahmen sind der zeitlichen Verknappung des Programms geschuldet. Das neue 90 Minuten-Format der DL wäre ja tatsächlich zu begrüßen – wenn künftig mehr TV-Stationen anbeißen und live und frei zugänglich übertragen würden. Jede Woche einmal Diamond League? Daran will man freilich als deutscher, auf die Öffentlich-Rechtlichen angewiesener und deshalb bei DL-Übertragungen in die Röhre schauender Fernseher vorerst auch weiterhin nicht glauben.   

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